Auktion: 400 / Moderne Kunst am 08.12.2012 in München Lot 88


88
Wassily Kandinsky
Ohne Titel, 1930.
Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 62.220

(inkl. Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 1930.
Tuschfederzeichnung.
Barnett 742. Links unten monogrammiert und datiert. Auf festem Velin, auf Karton aufgezogen. 23,3 x 15 cm (9,1 x 5,9 in), Blattgröße. Unterlagenkarton: 28 x 22,4 cm (11 x 8,8 in).
Lediglich acht Exemplaren der Luxusausgabe von Will Grohmann, Kandinsky, Editions Cahiers d'Art, Paris 1930 war eine Original-Zeichnung beigelegt, unser Blatt ist eine davon.

PROVENIENZ: Christian Zervos, Paris.
Editions Cahiers d'Art, Paris (bis 1989).
Base Gallery, Tokyo.
Sotheby's New York, 14. November 1990, Lot 147.
Improvvisazione Prima, Galleria d'Arte di Paolo Dal Bosco, Trento (auf der Rahmenrückseite mit dem Etikett).
Privatsammlung.

Kandinsky wird am 4. Dezember 1866 in Moskau geboren. Nach einem Jura- und Volkswirtschaftsstudium in Moskau entschließt er sich erst spät, Maler zu werden, und siedelt dazu 1896 nach München über. Er beginnt ein Studium an der Kunstschule von Anton Azbè und in den Jahren 1900 bis 1901 bei Franz von Stuck, das er an der Münchener Kunstakademie fortsetzt. Bereits 1902 unterrichtet er selbst an der "Phalanx-Malschule" und wird schließlich Präsident der gleichnamigen Künstlergruppe. Hier lernt er Gabriele Münter kennen, die als Schülerin seine Malklasse besucht. Nach längeren gemeinsamen Reisen ins Ausland richten sie sich 1908 in München eine Wohnung ein. Ein Studienaufenthalt im oberbayerischen Murnau veranlasst Gabriele Münter, dort ein Haus zu kaufen, das zum Aufenthaltsort zahlreicher Sommermonate werden soll, die von intensiver Arbeit geprägt sind. 1909 gehört Kandinsky zu den Mitbegründern der Neuen Künstlervereinigung München, ein Jahr später, 1910, entsteht sein erstes rein abstraktes Aquarell. In seinem 1912 erschienenen Buch "Über das Geistige in der Kunst" begründet er diesen revolutionären Schritt zur Abstraktion. Mit seinen Malerfreunden Paul Klee, August Macke und Franz Marc hebt Kandinsky 1912 den "Blauen Reiter" aus der Taufe und gibt mit Marc den gleichnamigen Almanach heraus. Die Jahre des Ersten Weltkrieges verbringt Kandinsky in Moskau, kehrt aber 1921 wieder nach Deutschland zurück. 1922 nimmt er den Ruf von Walter Gropius als Lehrer an das Bauhaus in Weimar an und gründet 1924 mit Paul Klee, Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky die Gruppe der "Blauen Vier". Im Jahre 1928 erwirbt Kandinsky die deutsche Staatsbürgerschaft.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg findet Kandinsky über eine frei assoziierte Formensprache von der Wiedergabe der Natur zur Abstraktion. Zeichnungen dienen ihm dabei durch all seine künstlerischen Phasen hindurch zum Experimentieren, zum Ausprobieren neuer Ideen und Überlegungen. Am Bauhaus wird Kandinsky zu einem der wichtigsten und innovativsten Lehrer. Während dieser Zeit entsteht auch die kleine Tuschzeichnung "Komposition 147", die durch ihre anscheinende Schlichtheit besticht. Im Verständnis Kandinskys ist eine "Komposition" allerdings keine willkürliche Zusammenstellung einzelner Formen, viel mehr ist sie das Resultat einer bewussten, genau bedachten und ausgearbeiteten geistigen Idee. Besonders reizvoll ist diese Zeichnung aufgrund ihrer Reduzierung auf den reinsten aller Kontraste, Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel.

Nachdem das Bauhaus bereits 1925 nach Dessau umgezogen ist, findet 1932 ein erneuter Umzug nach Berlin statt, wo das Bauhaus trotz der Verfolgungen durch die Nationalsozialisten erneut eröffnet, ein Jahr später jedoch endgültig geschlossen wird. 1934 emigriert Kandinsky nach Frankreich und lässt sich in Neuilly-sur-Seine bei Paris nieder. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird er französischer Staatsbürger. Seine künstlerische Arbeit setzt er trotz der gefährlichen Situation auch während der deutschen Besatzung fort. Bis zu seinen letzten Lebensmonaten ist seine Produktivität ungebrochen. Wassily Kandinsky stirbt am 13. Dezember 1944 in seiner Wahlheimat Frankreich. [CB].




88
Wassily Kandinsky
Ohne Titel, 1930.
Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 62.220

(inkl. Käuferaufgeld)