Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 227

 
227
Lyonel Feininger
Manhattan, Dusk, 1945.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
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Objektbeschreibung
Manhattan, Dusk. 1945.
Öl auf Leinwand.
Hess 457. Rechts oben signiert. Auf dem Keilrahmen signiert, datiert und betitelt. 59 x 91,5 cm (23,2 x 36 in).

• Die imposante Skyline von New York bei Dämmerung in der meisterhaften Formensprache Feiningers.
• Rückgriff auf die frühen Weimarer Stadtansichten.
• Gemälde der Manhattan-Serie befinden sich in Museumsbesitz, u.a. im Museum of Modern Art, New York.
• Bedeutende Ausstellungshistorie.
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Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project LLC, New York – Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 1656-06-08-20 registriert ist, bestätigt. Das Gemälde wird in Lyonel Feininger: The Catalogue Raisonné of Paintings von Achim Moeller unter der Nummer 474 aufgenommen.

PROVENIENZ: Mr. und Mrs. C. Bagley Wright, Seattle.
Seattle Art Museum, Seattle.
Lore Kann, Livingston/ MA.
Estate of Lore Kann, Livingston/ MA.
Privatsammlung USA.
Moeller Fine Art, New York/Berlin.
Privatsammlung.

AUSSTELLUNG: Lyonel Feininger: Recent Paintings, Watercolors, Buchholz Gallery, New York, 29. Januar - 23.Februar 1946, Nr. 6 (Moon in Dusk).
American Painting Today, A National Competitive Exhibition, The Metropolitan Museum of Art, New York, 8. Dezember 1950 - 21. Februar 1951, Tafel-Nr. 31.
The Twenty Second Biennial Exhibition of Contemporary American Oil Paintings, The Corcoran Gallery of Art, Washington, D.C., 1. April - 13. Mai, 1951/ The Institute of Contemporary Art, Boston, 24. Mai - 24. Juni 1951, Nr. 74.
Lyonel Feininger, Curt Valentin Gallery, New York, 18. März - 12. April 1952, Kat.-Nr. 16.
Lyonel Feininger, Bayerische Akademie der Schönen Künste, München, 3.9.-10.10.1954, Kat.-Nr. 25.
Lyonel Feininger, Stedelijk Museum, Amsterdam, 10. Dezember 1954 - 17. Januar 1955 / Kestner-Gesellschaft Hannover, 1954, Kat.-Nr. 25 (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Lyonel Feininger, 1871 - 1956, Memorial Retrospective, The Pasadena Art Museum, Pasadena/Kalifornien, 26. April - 29. Mai 1966, Kat.-Nr. 59.
50 Jahre Bauhaus, (vorbereitet vom Württembergischer Kunstverein, Stuttgart) Art Gallery Toronto, 5. Dezember 1969 - 1. Februar 1970/ Pasadena Art Museum, 16. März - 10. Mai 1970, Nr. 13.

LITERATUR: Sotheby’s, New York, 17. Mai, 1978, Lot 8.
Peter Falk Hastings (Hrsg.) The Annual Exhibition Record of the Pennsylvania Academy of Fine Arts. III, 1914-1968, 1989, S. 180.
Andreas Hüneke, Lokomotive und Loco-Motive. Bewegung und Beharrung als
Agens für Feiningers Bildserien. In Roland März (Hrsg.), Ausst. Kat. Lyonel Feininger: Von Gelmeroda nach Manhattan. Retrospektive der Gemälde, 1998, S. 299
Ulrich Luckhardt und Martin Faass (Hrsg.) Lyonel Feininger: Die Zeichnungen und Aquarelle, 1998, S. 223.

"Ich arbeite gerade an einer Reihe architektürlicher 'Visionen'. New York als Motiv der Übertragung in Symbole des Raumes und der Atmosphäre. New York ist die erstaunlichste Stadt der Welt in Atmosphäre, Farbe und Kontrast. Einige meiner Arbeiten zeigen eine neue Verwendung der Maltechnik, graphische Elemente als Linien in Feldern kräftiger Farbe. Ich mußte nach Amerika kommen, um mich von dem strengen Zwang der geraden und starren Linie zu befreien."

Lyonel Feininger 1942, zit. nach: Hans Hess, Lyonel Feininger, Stuttgart 1959, S. 148

Aufrufzeit: 17.07.2020 - ca. 17.47 h +/- 20 Min.

Essay

Heimkehr in die Fremde


1887 verlässt Lyonel Feininger im Alter von 16 Jahren sein Geburtsland Amerika, um in Deutschland seine musikalische Ausbildung zu vollenden. Was Feininger letztendlich dazu bewegte, von der Musik zur Kunst zu wechseln, ist nicht bekannt. Aber in Hamburg angekommen nimmt er an der Kunstgewerbeschule Zeichenunterricht, damit beginnt seine künstlerische Laufbahn. Er behält die amerikanische Staatsbürgerschaft, findet aber in Deutschland eine neue Heimat. Hier wird er am Bauhaus zu einer der tragenden Künstlerpersönlichkeiten der modernen Kunst. Als sich die Situation in Deutschland in den 1930er Jahren verschärft, zögert Lyonel Feininger zunächst, das Land zu verlassen, was für ihn als geborener Amerikaner ein Leichtes gewesen wäre im Gegensatz zu den vielen anderen in Amerika Asylsuchenden. Im Sommer 1936 gibt er auf Einladung von Alfred Neumeyer am Mills College in Oakland einen Sommerkurs. Es wird eine Reise, während der Feininger bestehende Kontakte vertieft, so zum Beispiel zu Galka Scheyer, der Kunstagentin, die seit 1924 mit viel Engagement versucht, die deutschen Künstler der von ihr zusammengeführten "Blauen Vier" in Amerika bekannt zu machen, sowie dem Kunsthändler J. B. Neumann, der sich bereits seit vielen Jahren um die Etablierung deutscher Kunst in Amerika einsetzt. Nach Beendigung des Lehrauftrages kehrt das Ehepaar Feininger zunächst nach Deutschland zurück. Im Frühjahr 1937 laufen bereits die Vorbereitungen zur Ausstellung „Entartete Kunst“, die im Sommer in München gezeigt wird und auch Werke von Lyonel Feininger diffamiert. Zur selben Zeit wird der Künstler von den nationalsozialistischen Behörden seines Bezirks vorgeladen. Diese Tatsache und die jüdische Abstammung seiner Frau Julia bewegen Feininger letztendlich doch dazu, dem zweiten Ruf an das Mills College zu folgen, diesmal für immer. Mit gemischten Gefühlen sieht er dem Neuanfang in Amerika entgegen, an Alois Schardt schreibt er: „Eines Tages wird man von mir berichten, daß ich im Alter von 65 Jahren im Hafen von New York eintraf mit ganzen zwei Dollar in der Tasche.“ (zit. nach Peter Selz, Lyonel Feiningers Rückkehr nach Amerika, S. 348, in: Roland März (Hrsg.), Lyonel Feininger von Gelmeroda nach Manhattan, 1998).

Mit 65 Jahren muss er sowohl sein privates als auch berufliches Leben neu beginnen. Er schätzt seine Ausgangslage recht nüchtern ein. Ihm ist klar, dass er nicht nahtlos an seine Erfolge im Vor-Nazi-Deutschland anknüpfen kann. Seine Kunst ist eher einem kleinen, europäisch geprägten Kunstkreis bekannt. Die Eingewöhnung dauert eine Zeit. Einige Auftragsarbeiten decken den Lebensunterhalt der Feiningers, tragen aber nicht zur Entwicklung seiner Kunst bei. Erst 1939 beginnt er langsam wieder in Öl zu malen, es entstehen wenige Werke, in denen er auf altbewährte Schiff- und Seemotive zurückgreift.

Manhattan

New York ist das Zentrum des künstlerischen Lebens in Amerika. Hier leben Lyonel und Julia Feininger in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Gramercy Parks, von der aus man den East River sehen kann. Feininger beginnt, sich mit seiner neuen Realität bildnerisch auseinanderzusetzen, seine tägliche Umgebung in Manhattan erhebt er erstmals 1940 zum Bildmotiv. Sein neues Umfeld verlangt eine starke Umorientierung und Entwicklung neuer Bildformen. Die Unterschiede zwischen der „old world“-Architektur und den Eindrücken seiner neuen Umgebung könnten kaum größer sein. In Deutschland fasziniert ihn die mittelalterliche Architektur, die er in seine moderne Formensprache umsetzt, wie seine ikonenhaften Werke von Gelmeroda oder Halle zeigen. Die moderne amerikanische Hochhausarchitektur in New York ist jedoch bereits konzentrierte Form per se. Die Skyscraper Manhattans sind von Natur aus gewaltig und bedürfen keiner künstlerischen Überhöhung und Monumentalisierung. Die Architektur hat sich bereits in der Wirklichkeit in moderne Kunst verwandelt. Dies ist für Feininger die Herausforderung der späten Manhattan-Bilder. Die Monumentalität ist bereits durch die beeindruckende Skyline Manhattans gegeben, die er in einem weiteren künstlerischen Schritt entmaterialisiert. Das bildnerische Motiv ist nur noch eine Essenz seiner wirklichen Gestalt. Die grafische Linie ist und bleibt zentral in Feiningers Bildsprache. Die Linien umschreiben die Fläche, die von den Linien erschaffene Fläche trägt die Struktur des Bildes, wobei die sanfttonig eingesetzte Farbe der gegebenen Form dient. Kennzeichnend ist in diesen späten Bildern der Gebrauch der Linie, die einen bisher nicht dagewesenen Grad der Auflösung zeigt. Seine Arbeiten werden grafischer, die Linien erscheinen zunehmend freigelegt, alleingestellt und deutlich sichtbarer als in den Jahren zuvor. Gleichzeitig tragen und bestimmen sie die gesamte, zurückhaltende und dennoch komplexe Komposition.

Feininger selbst beschreibt diese Entwicklung so: "Die Form ist auf's Knappste bemessen - und der ganze Apparat der Farbe und der Malweise auf das Einfachste reduziert - wie der Ballast, der abgeworfen wurde, um nunmehr frei fliegen zu können" (aus einem Brief von Lyonel Feininger, Falls Village, Connecticut, 26. Juli 1944, zit. nach: Hans Hess, Lyonel Feininger, Stuttgart 1959, S. 158). Besonders reizvoll setzt Feininger in „Manhattan, Dusk“ die Lichtstimmung bei Dämmerung um. Die letzten fahlen Lichtstrahlen spiegeln sich in den Glasflächen der Hochhäuser. Das zarte Schimmern des gedämpften Lichts dieser frühen Abendstunden setzt Feininger mithilfe von metallisch schimmernden Farben meisterhaft in Szene. Die ganze Farbpalette ist von einer sanft umschließenden Gedämpftheit. Feiningers Umgang mit der verwendeten Farbe erhöht hier die Unwirklichkeit der Szene, deren Grad der Abstraktion. Flächig, ungemischt aufgetragen und von einer gedämpften Farbigkeit füllt sie die Zwischenräume der grafischen Liniennetze. In dieser eindringlichen Sparsamkeit in Form und Farbe zeigt sich der besondere Charakter von Feiningers späten Arbeiten. [SM]
 


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